Stände für Erstis: Islamistische Bewegung erneut an RUB aktiv

In Sichtweite des Campus werben die „Muslimstudents NRW“ um Neuzugänge. Das sagen Uni, Polizei und die Islamische Studierendenvereinigung dazu.

Im Trubel der ersten Vorlesungswoche ist es fast unmöglich über die Unibrücke auf den Campus zu gehen, ohne angesprochen zu werden. Hilfsorganisationen werben um Spenden, am Eingang zum Campus fangen Hochschulgruppen Erstsemester ab und versuchen sie für Sport- und Kulturangebote zu gewinnen.

Direkt an der Grenze zum Campus stehen am Montag und Dienstag zwei Pavillons: Einer für Frauen, ein zweiter für Männer. Auf einem Banner steht:„Herzlich Willkommen liebe Erstis & Studentinnen! Einen guten Start ins Semester wünschen euch eure muslimischen Mitstudenten!“ Vor den Ständen stehen Interessierte, nehmen sich von dem kostenlosen Gebäck und unterhalten sich angeregt.

„Die ‚Muslim Students‘ versuchen, sich von der Gesellschaft zu isolieren. Wir begreifen uns aber als ein Teil dieser Gesellschaft.“

Mubarik Wienold, Vorsitzender der Islamischen Studierendenvereinigung, steht für einen offenen Islam

Weder der Standort auf der Unibrücke noch offizielle Symbole oder Bezeichnungen lassen erahnen, dass es sich bei der Gruppierung nicht um eine reguläre Hochschulgruppe, sondern um die „Muslimstudents NRW“ handelt – die Nachwuchsorganisation der islamistischen Furkan-Bewegung. Die Polizei bestätigt auf Anfrage, dass die Versammlungen auf der Unibrücke von den „Muslimstudents NRW“ offiziell angemeldet worden seien – unter dem Thema „Aufklärung über den Islam – Information, Dialog und Austausch“.

Furkan-Bewegung wird von Verfassungsschutz beobachtet

Die islamistische Bewegung mit Vereinssitz in Dortmund steht seit mehreren Jahren deutschlandweit unter Beobachtung. Im Verfassungsschutzbericht des Landes NRW über das Jahr 2024 heißt es, die Furkan-Bewegung vertrete ein politisches Religionsverständnis und lehne die freiheitlich-demokratische Grundordnung ab. Stattdessen wolle sie zu einer „islamischen Zivilisation“ zurückkehren.

Nach Darstellung der Verfassungsschützer handelt es sich bei den „Muslimstudents NRW“ um das Rekrutierungsorgan der Furkan-Bewegung. Mit ihren Ständen und in den Sozialen Medien richten sie sich zum Semesterstart insbesondere an Erstsemester. Neben einer Campus-Tour und einem „Ersti-Brunch“ an der Ruhr-Uni in Bochum veranstaltet die Gruppierung in dieser Woche auch ein Auftaktevent in Dortmund.

Gruppierung will sich offiziell nicht zu ihren Aktivitäten äußern

Außerdem wirbt sie mit einem dreijährigen Islamstudium, in dem die Ideologie und Methoden der Furkan-Bewegung gelehrt werden sollen. Im Hintergrund dieser Aktivitäten steht die Idee, eine Vorreiter-Generation auszubilden, die als gesellschaftliche Avantgarde auf eine „islamische Zivilisation“ hinwirkt.

Beim Erstkontakt auf der Unibrücke geben sich die Aktivisten zurückhaltend, auf Nachfragen zur Furkan-Bewegung reagieren sie ausweichend. Auf offizielle Anfrage dieser Redaktion wollte sich die Gruppierung weder vor Ort noch schriftlich zu ihren Aktivitäten äußern.

RUB hat Aktivitäten auf Campus verboten

Die Aktivitäten der „Muslimstudents NRW“ sind an der RUB seit mehreren Jahren verboten. Nachdem sie sich im vergangenen Jahr als Buchclub angemeldet hatte, konnte sie kurzzeitig ihre Stände auf dem Campus aufbauen. Nach einem erneuten Verbot durch die Universitätsverwaltung verlagerte die Gruppierung ihre Aktivitäten in die unmittelbare Nachbarschaft und auf die Unibrücke. „Aktivitäten solcher Initiativen dulden wir auf dem Campus nicht“, betonte ein Sprecher der RUB damals. Das Hausrecht der Universität ende an der Campusgrenze. Auf diese Stellungnahme verweist die Uni auch in diesem Jahr wieder.

Nach dem Verbot auf dem Campus haben die „Muslimstudents NRW“ im Uni-Center ein Ausweichquartier gefunden.

Fußläufig mit dem Campus durch die Unibrücke verbunden liegt das Uni-Center. In einem der Hochhäuser haben die „Muslimstudents NRW“ ein Ausweichquartier gefunden: Hier ziehen sie sich zu Gebetszeiten zurück, veranstalten Seminare und Vorträge, nehmen Mahlzeiten zu sich und bestücken ihre Stände mit neuem Gebäck.

Islamische Studierendenvereinigung positioniert sich gegen Furkan-Bewegung

Mubarik Wienold (26), Jurastudent und Vorstandsvorsitzender der Islamischen Studierendenvereinigung (ISV), positioniert sich klar gegen die Furkan-Bewegung und ihre Nachwuchsgruppe. Als anerkannte Vertretung muslimischer Studierender stehe der ISV zur freiheitlich-demokratischen Grundordnung. „Die ‚Muslim Students‘ versuchen, sich von der Gesellschaft zu isolieren. Wir begreifen uns aber als ein Teil dieser Gesellschaft“, sagt Wienold. „Und genauso wie in der Gesellschaft haben Muslime auch an der Uni ihren Platz.“ Für Extremisten gilt das nicht.